Unsere Buchempfehlungen zur "Darm-Hirn-Achse"

Die Neuausgabe des Bestsellers „Darm mit Charme“

Wie charmant die Funktionen des Darms sind, hat Giulia Enders mit ihrem Buch „Darm mit Charme“ bereits vor drei Jahren eindrucksvoll bewiesen. Kürzlich erschien dazu die Neuausgabe des Bestsellers – ergänzt um ein Kapitel zum Thema Darm-Hirn-Achse. Wir zeigen, was neu ist. Eines der wichtigsten Erkenntnisse: Bakterien können die körperlichen Auswirkungen von Stress verringern.

Dass der Darm es Giulia Enders angetan hat, zeigte die heutige Doktorandin nicht nur als Nachwuchswissenschaftlerin mit ihren Auftritten in Funk und Fernsehen, sondern vor allem mit ihrer Leichtigkeit über das Organ Darm und seine unterschätzten Funktionen zu schreiben. Medial sorgte sie damit für riesiges Aufsehen und verankert das Thema Darmgesundheit in den Köpfen ihrer Zuschauer und Leser.

Aktuelle Erkenntnisse aus der Forschung

Nun war es an der Zeit eine Neuausgabe herauszubringen. Warum? Weil sich einiges in der Wissenschaft getan hat. Besonders in der Forschung zur Darm-Hirn-Verbindung, der sogenannten Darm-Hirn-Achse: Die Leser der ersten Ausgabe wissen bereits, dass der Alleskönner Darm vereinzelt bestimmte Informationen über den Vagus-Nerv an das Gehirn weiterleitet und so unser Denken und Fühlen beeinflussen kann. Diese Erkenntnisse konnte die Autorin bisher lediglich aus Tierstudien ableiten, die zeigten, dass depressive Mäuse beispielsweise durch bestimmte Bakterien munterer wurden. Ob sich hieraus jedoch Konsequenzen für Menschen ableiten lassen, war bislang nicht erwiesen.

Studien erzeugen neues Bild

Tatsächlich gibt es mittlerweile rund 20 Studien am Menschen, die ein realistisches Bild erzeugen: Bakterien können unsere Stimmung positiv beeinflussen – das geschieht langsam aber stetig. Insbesondere zu den alltäglichen Stimmungstiefs und dem Thema Stress gibt es interessante Entwicklungen (Messaoudi, 2011; Allen, 2016): So zeigen Studien, dass bestimmte Bakterien dazu in der Lage sind, die körperlichen Auswirkungen von Stress wie nervöse Bauchschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Erkältungsneigung zu verringern (Diop, 2008; Kato-Kataoka, 2016).

Die Autorin fasst in dem neuen Kapitel erste Forschungsergebnisse zum Thema Depressionen zusammen und eröffnet damit dem Leser ein wissenswertes Themenfeld. So zeigen die veröffentlichten Ergebnisse, dass die kombinierte Einnahme bestimmter Bakterien und Antidepressiva den Zustand von Patienten verbessern konnten. Zusätzlich nennt sie eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2017, die besagt, dass diese Effekte ebenfalls vom Vitamin-D-Spiegel abhängig sein könnten.

 

Literatur

Allen, AP. et al. Bifidobacterium longum 1714 as a translational psychobiotic: modulation of stress, electrophysiology and neurocognition in healthy volunteers. Transl Psychiatry. (2016). doi: 10.1038/tp.2016.191

Diop, L. et al. Probiotic Food Supplement Reduces Stress-Induced Gastrointestinal Symptoms in Volunteers: A Double-Blind, Placebo-Controlled, Randomized Trial. Nutr Res. 28, 1 – 5 (2008).

Messaoudi, M. et al., Beneficial Psychological Effects of a Probiotic Formulation (Lactobacillus helveticus R0052 and Bifidobacterium longum R0175) in Healthy Human Volunteers. Gut Microbes. 2, 256 – 261 (2015).

Kato-Kataoka, A. et al., Fermented Milk Containing Lactobacillus casei Strain Shirota Preserves the Diversity of the Gut Microbiota and Relieves Abdominal Dysfunction in Healthy Medical Students Exposed to Academic Stress. Appl Environ Microbiol 82, 3649-3658 (2016).

 

Das Buch „Das zweite Gehirn“

Dr. Emeran Mayer ist ein renommierter Gastroenterologe aus den USA und forscht seit rund 40 Jahren zur Interaktion zwischen Darm und Gehirn. Er wird weltweit zitiert und dient deshalb nicht nur Giulia Enders in ihrem Buch „Darm mit Charme“ als eine von vielen Quellen. Er gehört zu den Koryphäen auf dem Forschungsgebiet der Kommunikation zwischen Darm und Gehirn – vor allem in der Erforschung der Rolle der intestinalen Mikrobiota.

In seinem Buch „Das zweite Gehirn“ erklärt er anschaulich und gespickt mit praktischen Hinweisen, wie unsere Stimmung und unser Wohlbefinden durch den Darm beeinflusst werden können. Wie Stress, Angst und damit assoziierte Erkrankungen entstehen können und, wie wichtig eine gesunde Ernährung, für eine intakte intestinale Mikrobiota ist.

Vagus-Nerv beeinflusst Emotionen

Er zeigt anhand jüngster Forschungsergebnisse, dass „Gehirn, Darm und Mikrobiota in einer gemeinsamen biologischen Sprache miteinander sprechen.“ Dabei stehen der Darm und das Gehirn insbesondere über den Vagus-Nerv in einem engen Kontakt. Dieser transportiert die erzeugten und modulierten Signale der intestinalen Mikrobiota an das Gehirn und kann damit erwiesenermaßen unsere Emotionen beeinflussen.

Mayer nennt Studien, die diese Annahme bestätigen. So konnte anhand keimfrei großgezogener Tiere die Rolle der intestinalen Mikrobiota und die Rolle des Darms auf die entstehenden Emotionen bewiesen werden: Die keimfrei großgezogenen Tiere zeigten Störungen in der Gehirnentwicklung – insbesondere in den Regionen, die die Emotionen steuern.

Aufmerksamkeit in der Medizin fehlt

Aus den neusten Forschungserkenntnissen leitet der Autor bekannte Krankheitsbilder ab und erläutert diese anhand einiger Patientendokumentation. So beschreibt er beispielsweise den Einfluss der intestinalen Mikrobiota auf die Entstehung von Depressionen, Stress und gastrointestinaler Erkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom. Dabei merkt er an, dass die aus dem Gleichgewicht geratende „Darm-Mikrobiom-Gehirn-Achse“ nicht genügend Aufmerksamkeit in der Medizin findet – und das, obwohl an dem Leitsymptom, dem Reizdarmsyndrom, rund 15 Prozent der Weltbevölkerung leidet.


Top